Ausstellung: „Gotha macht Schule. Bildung von Luther bis Francke“

Das Reformationsjubiläum 2017 und der 350. Geburtstag von August Hermann Francke in diesem Jahr bilden den Rahmen für die Ausstellung „Gotha macht Schule. Bildung von Luther bis Francke“, die die Forschungsbibliothek Gotha der Universität Erfurt und die Stiftung Schloss Friedenstein vom 28. April bis zum 4. August 2013 auf Schloss Friedenstein zeigen. Der Bogen wird dabei von der Einrichtung des Gothaer Gymnasiums im Jahre 1524 durch den Reformator Friedrich Myconius über die umfassenden Schulreformen im Herzogtum Sachsen-Gotha unter Herzog Ernst I. in den 1640er-Jahren bis hin zur Umgestaltung des Gymnasiums zu einer pietistischen Erziehungsanstalt unter dem Rektor Gottfried Vockerodt zu Beginn des 18. Jahrhunderts geschlagen.

Insbesondere unter Herzog Ernst I. kam es zu einer räumlichen Verdichtung des pädagogischen Wissens im Herzogtum Sachsen-Gotha. Eine besondere Bedeutung bei der Umsetzung der Reformen spielte Andreas Reyher, von 1641 bis zu seinem Tod 1673 Rektor des Gothaer Gymnasiums. Mit seinem „Schulmethodus“ von 1642 verfasste er die erste eigenständige Schulordnung für den Elementarunterricht. Eine allgemeine Schulpflicht für Jungen und Mädchen wurde umgesetzt und ein praxisnaher Unterricht – u.a. mit der Einrichtung einer Natur- und Wunderkammer und der Einführung naturkundlicher Fächer – zumindest in Ansätzen eingeführt. Am Gymnasium diente die neu eingerichteten Classis Selecta zur Vorbereitung auf eine universitäre Karriere bzw. zur Rekrutierung des Nachwuchses für den herzoglichen Hof. Eine breite Grundausbildung (einschließlich der Erwachsenbildung) ging hier Hand in Hand mit einer Elitenbildung. Damit wurde auf Schloss Friedenstein Bildungsgeschichte geschrieben.

Wie sehr das Herzogtum zum Musterland für die Entwicklung innovativer Bildungskonzepte wurde, wird auch an Francke ersichtlich. Er verbrachte fast seine gesamte Kindheit und Jugend in Gotha und besuchte für ein Jahr die Classis Selecta des Gymnasiums. Jüngst ist sein Abschlusszeugnis von 1677 im Thüringischen Staatsarchiv Gotha entdeckt worden. Später übernahm er dann beim Aufbau der Bildungseinrichtungen in Glaucha (dem Grundstein der heutigen Franckeschen Stiftungen in Halle/Saale) wesentliche Elemente von Reyhers Bildungsreformen. Zugleich sorgte er dafür, dass das Gothaer Gymnasium unter seinem Freunde Gottfried Vockerodt zu einer der ersten pietistischen Ausbildungsstätten umgestaltet wurde.

Aus der reichen, in diesem Umfang nahezu einmaligen Sammlung auf Schloss Friedenstein werden in der Ausstellung Stundenpläne, Schülerlisten und -zeugnisse gezeigt, ebenso Lehrbücher, Globen, zeitgenössisches Mobiliar, Naturalien, Karten, Grafiken, Kupferstiche und Gemälde. Eine besondere Rarität bilden handschriftliche Dokumente von Schülern, die einen tiefen Einblick in den damaligen Bildungsstand vermitteln. Die Schau soll zu einer Entdeckungsreise einladen, die einen längst vergangenen Schulalltag wieder lebendig werden lässt. Sie stellt damit einen – auch von der Forschung bisher wenig beachteten – Abschnitt der Thüringer Bildungsgeschichte vom 16. bis 18. Jahrhundert anhand weitgehend unbekannter Quellen erstmals einer breiten Öffentlichkeit vor.

Zur Ausstellung erscheint ein reich bebilderter Katalog:
Sascha Salatowsky (Hg.): Gotha macht Schule. Bildung von Luther bis Francke (= Veröffentlichungen der Forschungsbibliothek Gotha, Bd. 49). Gotha 2012. ISBN 978-3-910027-31-8. Preis: 19,60 Euro.
Er kann unter Tel. 0361/737-5540 oder per Mail unter bibliothek.gotha(at)uni-erfurt.de bestellt werden.

Weitere Informationen:

Kontakt:

Dr. Sascha Salatowsky

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Categories: Ausstellungen, Forschungsbibliothek, Kulturgeschichte des Protestantismus in der Frühen Neuzeit, Studienstätte Protestantismus

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